Kinder: Zankt Euch doch mal!

Sind Sie mit Geschwistern aufgewachsen? Oder haben Sie selber mehrere Kinder?

Dann wissen Sie, dass Reibereien zwischen Geschwistern in der Kindheit und vor allem auch in der Pubertät zum Alltag gehören. Und das muss auch so sein!

Unsere Praktikantin Maria hat sich dazu (wahrscheinlich auch aus der ein oder anderen eigenen Erfahrung) ein paar Gedanken gemacht, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte!

—————————————————————-

Mit Geschwistern ist es nicht immer leicht.

Eigentlich machen die ja nie, was man selber eigentlich will. Und auch als Elternteil fragt man sich nicht selten, ob es denn nicht mal einen Tag geben kann, an denen es keinen Zank gibt?! Zum Glück nicht! Denn gerade in dieses Reibereien und Konflikten zwischen Geschwistern erlernen wir, mit Konflikten umzugehen. Hier haben wir die Möglichkeit in einem geschützten Rahmen Lösungsstrategien zu erlernen und diese auszuprobieren.

 

Stellen wir uns doch mal folgende Situation vor:

Emil (3 Jahre) und Moritz (5 Jahre) sind leidenschaftliche Bauarbeiter und Architekten hochkomplexer Haus- und Brückenkonstruktionen mittels energetisch einwandfreien Bauklötzen im elterlichen Wohnzimmer. Bauleiter Moritz ist gerade in ein mindestens 50 cm hohes architektonisches Meisterwerk vertieft. Fasziniert von dieser Leistung (und weil natürlich alles, was der große Bruder macht, viel viel spannender ist) möchte Emil als Bauüberwacher engagiert werden. Mangels des noch nicht komplett abgeschlossenen Bauingenieurstudiums (oder den kleinen noch ungeschickten Kinderhändchen) passiert die Tragödie: das Meisterwerk fällt um! Moritz stocksauer nutzt den unbeobachteten Moment, als der Bauoberleiter (Mama) den Raum verlässt und schon fliegt der zwar ökologisch wertvolle, aber dennoch schmerzhafte Bauklotz Richtung des kleinen Brüderchens. Die Sirene ist kaum zu überhören 😉
Wir hoffen mal, dass Bauoberleiter Mama, zwischen ihren beiden Jungs gut vermitteln kann, Emil schnell beruhigt ist und die Nerven nicht allzu sehr strapaziert wurden. Aber viel wichtiger, Moritz hat hier wichtiges über Lösungsstrategien gelernt: 

Er merkt, durch das Werfen des Steins habe ich meinem kleinen Bruder wehgetan. Jetzt weint Emil und bekommt wahrscheinlich eine kleine Beule. Er versteht, dass er hier eine Grenze überschritten hat. Das nächste Mal wird er in einer ähnlichen Situation anders reagieren.

 

Geschwister

 

Zwei Rebellen treffen aufeinander – Konflikte in der Pubertät

Aber auch in späteren Entwicklungsphasen helfen uns diese vermeintlich alltäglichen Reibereien, Konfliktlösungsstratgien zu erarbeiten.

Vor allem in der Pubertät wollen wir unsere eigenen Sichtweisen und Meinungen vertreten. Treffen dann zwei „Rebellen“ aufeinander, muss man lernen, die Sichtweisen des anderen zu verstehen und sich in den anderen hineinversetzen:

Knallrot, 10 cm und eigentlich ziemlich unbequem ist Ellis Objekt der Begierde: die neuen High Heels ihrer großen Schwester. Ob sie darin laufen kann? Kurzerhand schleicht sie sich in das Zimmer der Schwester und steigt in die etwas zu großen Absatzschuhe. Der ausgelegte Teppich macht die ersten wackeligen Schritte nich unbedingt leichter und so passiert es: Elli knickt um und zum großen Pech verabschiedet sich der Absatz gleich mit. Gekonnt stellt Elli die Schuhe zurück in das Regal. Wenn man nichts weiß, dann sieht es so auss, als ob nie etwas geschehen wäre. Doch dann: Freitag Abend, Zeit zum Ausgehen, Ellis Schwester kommt wutentbrannt in Ellis Zimmer gestürmt.

Wir können uns vorstellen, wie die beiden Mädchen sich anzicken. Tonfall und Wortwahl entsprechen wahrscheinlich nicht den gängigen Methoden zur konstruktiven Konfliktlösung. Das ist in dem Alter aber auch völlig normal. Trotzdem werden dabei die jeweiligen Standpunkte und Sichtweisen auf die Situation geschildert. Beide müssen sich positionieren. Die große Schwester wäre gern gefragt worden, bevor man ihre Sachen nimmt. Elli wollte sich auch mal cool und erwachsen fühlen. Idealerweise gelingt es beiden gemeinsam nach einer Lösung zu suchen, damit Ellis große Schwester nicht barfuß zur Party muss. 😉

 

Schwestern

 

Geschwister helfen uns, Konfliktlösungskompetenzen zu entwickeln

Konflikte zwischen Geschwistern sind also per se nicht schlecht, sondern tragen dazu bei sich kommunikative und soziale Kompetenzen anzueignen.

 

Die Möglichkeit zum Üben

Unter Geschwistern kann man sich ausprobieren. Man kann seine eigenen Grenzen austesten und sehen, wie eine andere Person im Konflikt auf mich reagiert. Was ist ok? Wo bin ich vielleicht zu weit gegangen? War mein Tonfall falsch? usw. Im familiären Rahmen kann eine Grenzüberschreitung in einem Konflikt verziehen werden. In der nächsten Situation kann dann besser agiert werden.

 

Die kommunikative Fähigkeit

Will ich mich im Konflikt mit meiner Schwester oder meinem Bruder profilieren, muss ich gut kommunizieren können. Als kleineres Geschwisterchen hat man häufig erstmal Nachteile, doch mit der Zeit lernt man, wie man seinen Standpunkt vertritt und auf andere zugeht.

 

Verbesserung des Umgangs mit Kritik

Kinder und Geschwister sind ehrlich. Nicht immer ist ihre Kritik wohl gerechtfertigt, doch seien wir ehrlich, manchmal haben sie ja auch Recht. Wir können so lernen, besser mit Kritik umzugehen und wissen, dass man sich nicht immer gleich rechtfertigen muss.

 

soziales Verständnis

Dieser Punkt kommt vor allen den großen Geschwistern zu Gute, da sie verstehen müssen, dass der kleine Bruder oder die kleine Schwester in der Entwicklung noch nicht so weit ist wie man selbst. Sie lernen sich in das Geschwisterchen hineinzuversetzen und versuchen deren Perspektive zu verstehen.  Empathie ist ein Schlüssel zum Lösen von Konflikten.

 

Verbesserung des Konfliktmanagement

Geschwister entwickeln oft verschiedene Wege um ihre Streitigkeiten zu lösen. Es werden Kompromisse gemacht, manchmal wird sich eingestanden, dass der Andere vielleicht doch recht hatte, die Eltern werden als Streitschlichter hinzugezogen oder man lernt auch zu akzeptieren, dass man nicht immer derselben Meinung ist. So kennt man verschiedene Strategien, die man auch auf andere Konfliktsituationen übertragen kann.

Fazit

Die Streitereien und Reibereien zwischen Kindern und vor allem zwischen Geschwistern sind also sicherlich häufig nervenaufreibend, aber ein wichtiger Bestandteil der Entwicklung.

Wichtig ist, dass Kinder den richtigen Umgang mit Konflikten lernen. Selber ausprobieren ist dabei wichtig. Dennoch bedarf es ab und an dem Eingreifen der Eltern. Nicht in jeden Konflikt sollte sofort eingegriffen werden, gewisse grundlegende Spielregeln sollten aber aufgestellt werden.

Haben Sie Geschwister oder sind Elternteil? Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

 

Viele Grüße

Ihr PiA-Team

 

 

Aline Kniestedt

Verhaltens- und Kommunikationstrainerin, Pädagogin, exzessive Sportlerin da gleichzeitig Schokoladen-Süchtige seit Januar 2015 im PiA-Team tätig

Contact

Posts

7

Post comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *